Ein lebendiger und geschichtsträchtiger Ort im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Geprägt von einer jahrhundertealten Tradition, industriellem Erbe, tiefgreifenden historischen Meilensteinen und einem herausragenden kulturellen Vereinsleben.
Historische Postkarten aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts dokumentieren das rasante Wachstum und den alltäglichen Austausch im sich formierenden Industrieort.
In die friedlich stille Landschaft zog um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrie ein. 1852 wurde bekannt, dass der Besitzer der Hänzkamühle bei Särchen Kohleförderung betreibt. An der Stelle des späteren Bahnhofgeländes entstanden die Kohleschächte „Minna“ und „Alma“ sowie eine Ziegelei.
Die Nähe von brauchbarem Brennstoff und Glassand veranlasste Krottenauer 1863 zum Bau der ersten kleinen Glashütte („Emilienhütte“). Nach dem Erwerb durch Major von Görne 1872 wurde sie nach dessen Frau in „Annahütte“ umbenannt. 1884 übernahm schließlich der Hamburger Geheimrat F. C. Th. Heye sämtliche Unternehmungen.
Mit dem Bau der Zschipkau-Finsterwalder Eisenbahn 1886 und der Entstehung der Annahütter Bahnstation öffneten sich die Wege für den überregionalen Güter- und Personenverkehr.
Leistungsstarke AEG-Generatoren und Turbinen spiegeln den technischen Fortschritt und die Elektrifizierung der Industrieanlagen im frühen 20. Jahrhundert wider.
Die charakteristischen Fabrikschornsteine prägten das Panorama und zeugen von der engen Verzahnung aus landwirtschaftlichen Feldern und industrieller Produktion.
Der Zuzug von Bergleuten und Arbeitern veränderte das Dorf grundlegend. Neben Postamt, Apotheke, Arzthaus und der Errichtung der „Menage“ (1886) als billiges Nachtquartier entstanden zahlreiche Institutionen.
Ab 1905 weihte der Ort die Henriettenkirche ein, die neben Gottesdiensten auch für Konzerte genutzt wird. Technische Meilensteine wie der Einsatz von elektrischen Baggern (1905), Kettenbahnen, Entstaubungsanlagen (1921) und ab 1923 des Doppelportalbaggers System „Buckau“ machten den Tagebau hochmodern.
Geprägt durch den Konsumverein der Werksangehörigen boten gut sortierte Verkaufsräume den Bewohnern alles für den täglichen Bedarf – von Lebensmitteln bis zu Haushaltswaren.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 sorgt die Feuerwehr verlässlich für den Brandschutz im Ort. Das geschmückte Einsatzfahrzeug zeugt von starkem Zusammenhalt bei Jubiläen und Festen.
Feste und farbenfrohe Umzüge prägen das kulturelle Leben im Ort. Geschmückte Wagen und kostümierte Narren bringen Jung und Alt auf den historischen Straßen zusammen.
Mit historischen Kostümen, Musik und viel Humor wird das gemeinschaftliche Brauchtum von Generation zu Generation im Ortsteil weitergegeben.
Gegründet im Jahr 1948 blickt der Karnevalsclub Annahütte auf eine langjährige, stolze Tradition zurück und hält das närrische Brauchtum in der Region fest verankert. Seine närrische Residenz hat der Verein im Clubhaus Annahütte in der Gemeinde Schipkau.
Angeführt wird der Club von Präsidentin Sandra Hentschel (seit 2024), während Ehrenpräsident Erhard Herrmann die Geschicke des Vereins langjährig prägte. Mit einer starken Gemeinschaft von 148 Mitgliedern und dem legendären Schlachtruf „Annahütte total - verrückt!“ zieht der Verein in jeder Saison Tausende von Zuschauerinnen und Zuschauern in seinen Bann.
Der KCA 48 ist zudem stolzes Mitglied im Karnevalsverband Lausitz (KVL) sowie im Karnevalverband Berlin–Brandenburg (KVBB).
Ein absolutes Aushängeschild des Vereins sind seine vielfältigen Garden und Formationen: Dazu gehören der Elferrat, die Prinzengarde, Funkengarde, Juniorenfunkengarde, Minifunkengarde, Polizeigarde, GAUDIMU, Frauengarde, A-toll-erie, Rittergarde sowie die kleine Prinzengarde.
In jeder Saison werden circa 10 Veranstaltungen erfolgreich durchgeführt – darunter große Karnevalsveranstaltungen, der Kinderkarneval sowie das beliebte Event „Narretei in den Mai“. Darüber hinaus veranstaltet der Verein das alljährliche Zampern durch Annahütte sowie ein jährliches Sommerfest.
Die traditionelle Schlüsselübergabe findet jeweils während des Annahütter Karnevalsumzugs im Gemeindehaus statt, der immer 8 Tage vor Rosenmontag ausgetragen wird. Der KCA präsentiert sich zudem regelmäßig bei Umzügen befreundeter Vereine, Messen oder Festen und gestaltet auf Wunsch auch private oder öffentliche Festivitäten mit humorvollen Einlagen, Showtänzen oder live gespielter Musik.
Das gesellschaftliche Leben blühte durch zahlreiche Gründungen auf: Sportvereine wie der Arbeiter-Athleten-Club „Jugendkraft“ (1908), die Freie Turnerschaft (1919), der Arbeiter-Radfahrer-Verein „Frisch Auf“ sowie der Fußballverein „Spvgg Annahütte 1924“ schufen ein starkes sportliches Fundament.
Nach Eröffnung des Jugendheimes (1928), des Volksbades (1936) und diversen Schul- und Rektoratswechseln erhielt die Gemeinde im Jahr 1938 schließlich offiziell den Namen Annahütte (N.-L.).
Der großflächige Braunkohleabbau und die enormen Abraumbewegungen formten die Landschaft grundlegend um und schufen das wirtschaftliche Fundament der Region.
Alleen und sorgfältig angelegte Arbeiterwohnungen prägten das Bild der Werkskolonie, die von Gemeinschaftssinn und sozialer Architektur zeugte.
Die typischen roten Rohziegelbauten boten den Arbeitern und ihren Familien ein Zuhause und stehen heute als geschütztes Denkmal für die Industriegeschichte.
Entstanden auf Initiative des Glasfabrikanten Theodor Heye für 103 Wohnungen in 38 Häusern. Seit 1995 denkmalgeschützt, präsentiert sich die historische Siedlungsstruktur heute liebevoll saniert und modernisiert als attraktiver Wohnort.
Die Verbindung aus historischem Industrieerbe und modernsten Photovoltaikanlagen zeigt eindrucksvoll, wie sich der ehemalige Kohlestandort erfolgreich für die Energiewende neu aufstellt.
Das ehemalige Braunkohle-Abbauloch umfasst heute eine Fläche von etwa 34 Hektar und ist ein beliebtes Angel- und Badegewässer. Der Aussichtspunkt „Roter Strumpf“ bietet einen weiten Blick über die Wasserlandschaft.
Die umliegende Natur lädt zum Wandern, Radfahren und Entspannen ein. Die renaturierten Uferzonen spiegeln den gelungenen Wandel hin zu einer hochwertigen Erholungslandschaft wider.